Krisengewinner oder -verlierer – Es ist deine Entscheidung

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Hört sich ziemlich plakativ an. Schließlich ist jedem bewusst, dass Amazon und Netflix Corona-Krisengewinner sind und alle Fitnessstudio, Burgerläden und Tanzschulen Krisenverlierer sind.

Auf die Sparten gesehen, ist das tatsächlich so. Aber was ist mit einzelnen Beispielen wie:

  • Kirchgemeinden, die einen Livestream produzieren und gegen allen Erwartungen deutlich mehr Menschen erreichen als vorher?
  • MeWork Angebote von Hotels, in denen nicht mehr geschlafen, sondern gearbeitet wird, um Homeoffice-Bedingungen zu verbessern.
  • Wir als Pixel Sozialwerk, die eine Kinderzeitschrift, die Pixel-Post herausgebracht haben und dadurch 2020 insgesamt deutlich mehr Kinder erreicht haben als vor der Corona-Pandemie. Wie kann das sein?

Nun, wir können nur aus unserer Pixel-Sicht berichten. Neben ein wenig Glück und viel Segen, betrachten wir hier einige Krisenbewältigungsstrategien, die uns halfen trotz aller äußerlichen Umstände erfolgreich zu sein.

Rückblickend führen wir den Erfolg der Pixel-Post auf folgende zentrale Stichpunkte zurück:

Flexibilität, die eigene Organisationsstruktur, die eigene Infrastruktur, ein Notgroschen, die Fähigkeit Kunden und Marktgeschehen aus der veränderten Situation wahrnehmen zu können und eine funktionierende Öffentlichkeitarbeit.

Gehen wir jeden einzelnen Punkt durch:

  1. Flexibilität

Eine Krise verändert alles. Sie trifft jeden und reißt uns immer aus unserer gewohnten Denkweise heraus. Man kann immer einfach weitermachen, als wäre nichts geschehen. Eine hohe Flexibilität, also die Bereitschaft Änderungen vorzunehmen und Dinge neu zu denken ist ein Schlüssel in jeder Krise. Nimm die Herausforderung an!

Als wir an einem Freitag im März erfahren haben, dass wir wahrscheinlich schließen müssen, haben wir bereits am Samstag gebrainstormt, was man machen könnte und welche Optionen und Möglichkeiten wir haben. Die Idee der Pixel-Post kam auf. Am Sonntag wurde das Layout erstellt und die ersten notwendigen Sachen bestellt (Papier, Briefumschläge, Tacker etc.). Am darauffolgenden Dienstag wurde die erste Auflage der Pixel-Post an die Kinder verteilt.

Pixel wurde von einem Tag auf den anderen von einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung zu einem kleinen Verlag mit Druckwerkstatt.

  1. Organisationstruktur

Selbst wenn die Bereitschaft da ist, flexibel zu sein, wie schnell können Ideen umgesetzt werden? Können Sie überhaupt umgesetzt werden oder scheitern sie an einer Hierarchiestufe? Braucht man erst mehrere Entscheidungen von mehreren Gremien, die wiederum aber erst in den nächsten Wochen tagen? Oder kann spontan und eigenverantwortlich auf eine Krise eingegangen werden? Welche Spielräume und Budgets stehen Mitarbeitenden zur Verfügung? Organisationen brauchen eine schlanke und schnellfunktionierende Struktur um Krisengewinner zu sein.

  1. Infrastruktur

Stehen die notwendigen Mittel zur Verfügung um einen Kurswechsel und neue Krisenprojekte einzuleiten?  An diesem Punkt kamen wir sehr schnell an unsere Grenzen. Pixel war nicht sehr gut ausgestattet. Uns gibt es erst seit 2018. Dementsprechend kann man schon von einem Wunder ausgehen, das Anfang 2020 Laptops, Drucker, eigene Räume und eine digitale Infrastruktur zur Verfügung standen. Und doch haben wir gemerkt, dass uns einige Sachen gefehlt haben, die wir gehabt hätten, wenn wir bereits ein paar Jahre älter gewesen wären. Andere fehlende Infrastruktur mussten neu entwickelt und angeschafft werden. So verschickten wir unsere Pixel-Post nach einem sehr langdauernden Antragsprozess per Dialogpost und etablierten einen Emailversand mit einem neuen Programm, dass die Adressverwaltung zum Teil automatisierte. Manche Infrastruktur kann man in Krisensituationen nicht mehr rechtzeitig anschaffen oder entwickeln. Manche Dinge müssen einfach vorgehalten werden, um für den Tag X vorbereitet zu sein.

  1. Notgroschen

Ohne schnell verfügbare finanzielle Mittel sind Veränderungsprozess und das Anstoßen neuer Projekte nicht möglich. Wer in guten Zeiten ein paar Rücklagen bildet, kann diese in der Krise investieren. Ein Notgroschen ist daher kein zu unterschätzender Faktor in der Krise. Automatisch Ausgaben zu streichen ist nicht immer eine gute Idee. Rücklagen helfen zudem Zeit zu gewinnen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen und nicht sofort aus der Not heraus agieren zu müssen. Wer bereits vor der Krise finanziell angeschlagen war, hat in der Krise kein leichtes Spiel.

  1. Kunden-, Markt-, und Angebotsanalyse

Was hat sich bei meinen Kunden, Teilnehmern oder Mandanten verändert durch die Krise? Was brauchen sie genau jetzt? Kann ich ihnen noch bieten? Ist das Angebot, was ich bisher gemacht habe, noch passend?

Wie verändert sich der Markt? Wenn es schon 5.000 Gottesdienst-Livestreams gibt, soll ich dann auch noch einen eigenen produzieren? Oder gibt es eine Nische, die noch gar nicht bedient wird, aber auch interessant für meine Teilnehmer wäre?

Habe ich das erforderliche Knowhow, die Idee umzusetzen? Ihr braucht nicht alles zu Beginn direkt wissen. Unsere ersten Ausgaben der Pixel-Post sahen amateurhaft aus. Aber es hat durch das schnelle Anbieten eines neuen Angebotes den Zeitgeist getroffen. Und nach und nach konnten wir uns weiterentwickeln und die Pixel-Post verbessern.

  1. Kommunikationsinstrumente

Wird mein neues Angebot gesehen? Woher wissen die Leute, dass ich ein neues Angebot mache? Welche Kommunikationskanäle nutze ich und werden diese in der Krise noch genutzt? Welche Kommunikationsinstrumente muss ich neu aufbauen?

Wer bereits vor der Krise über ein breites Portfolio an Kommunikationsinstrumenten verfügte, kann in der Krise auf dieses zurückgreifen. Der Neuaufbau kann in dieser Situation unmöglich sein. Für uns war es ein Vorteil, dass wir bereits digitale Kanäle nutzten und diese nur weiter ausbauen mussten.