Über den Nutzen von Zielsystemen

von

Pixel Sozialwerk hat ein eigenes Ehrenamtsausbildungsprogramm. Jeder, der regelmäßig bei Pixel Sozialwerk Verantwortung übernehmen möchte, wird in mehreren Sessions geschult. Eine Ausbildungseinheit umfasst dabei „Ziele und Wirkung von Pixel Sozialwerk.“

Meine erste Frage ist dabei: Was willst du erreichen, wenn du dich hier engagierst? Die meisten Ehrenamtlichen waren schon einige Mal bei Angeboten mit dabei und wissen bereits ungefähr „wie der Hase läuft“. Die Antworten sind überraschenderweise sehr ähnlich und doch sehr unterschiedlich. Der Eine schätzt die Arbeit mit Kindern in Plattenbaugebieten, die andere will in dem Stadtteil aktiv sein, in dem sie wohnt, der Nächste findet uns als Fresh-X-Projekt spannend, ein Anderer sagt, er möchte Kindern etwas geben, was er früher selbst gebraucht hätte, wie Zeit und Aufmerksamkeit, wiederum die Nächste will den wirtschaftspädagogischen Ansatz der Wirtschafts-Kids-Gruppe kennen lernen und findet bildungsorientierte Angebote sehr wichtig. Andere möchten Kinder fördern, sodass sie gute Noten schreiben und eine andere Ehrenamtliche möchte eigentlich den Kindern Bibelgeschichten erzählen und näherbringen.

Das ist gut. Und wichtig: Jeder braucht eine Motivation und ein Ziel, das ihn persönlich für diese Arbeit antreibt. Denn egal wo: Im gemeinnützigen Sektor ist die Arbeit nicht immer Zuckerschlecken: Kinder werden dich beleidigen, Besucher nicht immer dankbar sein und Menschen plötzlich nicht mehr auftauchen und nie wieder ein Lebenszeichen von sich geben. Es wird Tage und Wochen geben, in denen man vermeintlich keinen Fortschritt sieht, keine Veränderungen sichtbar sind…

Ohne Motivation und den Glauben etwas verändern zu können, wird jeder schnell aufgeben.

Allerdings braucht es dafür nicht nur eine unbändige Motivation bei jedem einzelnen Mitarbeitenden, es braucht gleichzeitig eine Organisation im Hintergrund mit guten Strukturen und Prozessen, die die Motivation der Mitarbeitende unterstützt und ihnen nicht zusätzliche Kräfte raubt.

Ein guter erster Schritt ist das Schreiben eines Zielsystems für eine Organisation. Ein Zielsystem besteht aus Ober- und Unterzielen. Aus den Oberzielen werden Unterziele für alle einzelnen Bereiche und Angebote der Organisation geschaffen.

Solch ein Zielsystem schaue ich mit unseren Ehrenamtlichen für Pixel Sozialwerk an. Ganz explizit gehen wir die einzelnen Unterziele für den Bereich durch, in dem sie sich engagieren werden. Dort stehen immer Ziele, die für sie nicht sofort klar verständlich sind bzw. Ziele, wo sie nicht wissen, wie sie mithelfen können, diese zu erreichen. Gleichzeitig stehen dort auch Ziele, mit denen sie sich voll identifizieren können. Jedes einzelne Ziel gehen wir explizit durch. Wir besprechen, warum Pixel Sozialwerk das erreichen möchte und wie wir vorgehen, um das Ziel zu erreichen.

Daneben werden aber auch die Unterziele anderer Bereiche und Oberziele behandelt (wie bspw. Finanzziele, Personalziele, Angebotsziele, sozialpädagogische Ziele etc.). Das Wissen um die verschiedenen Ziele einer Organisation schaffen wiederum Akzeptanz: Sie schaffen Akzeptanz und Anerkennung für die Buchhaltung, die IT-Infrastruktur oder die Layout-Gestaltung im Hintergrund. So sehen Personen mit anderen Verantwortungsbereichen des sozialpädagogischen Mitarbeitenden nicht als „Basteltante“. Und die sozialpädagogische Mitarbeitende versteht die stundenlange Arbeit, die bspw. in der IT-Infrastruktur steckt, dazu beiträgt Angebote zu verbessern und zum Ganzen von Pixel Sozialwerk unbedingt notwendig ist.

Wie sollte aber so ein Zielsystem aufgebaut sein? Hier ein paar Gedanken dazu:

Ein Zielsystem,

  • dass alle Mitarbeitende vertreten und dass über einen Zeithorizont relativ konstant gehalten wird.
  • dass an die Vision der Arbeit angelehnt ist und sie operationalisiert.
  • dass machbar und gleichzeitig positiv herausfordernd erscheint.
  • dass darauf hinweist, wo es hingehen soll.
  • dass motiviert.
  • dass jedoch nicht so starr ist, dass einzelne neue Ziele aufgenommen oder gestrichen werden können.
  • dass auf die zu erreichende Wirkung der Organisation ausgerichtet ist.

Zielsysteme…

  • geben Orientierung, besonders in stürmischen Zeiten.
  • schaffen Akzeptanz und Wertschätzung im Team.
  • Lassen das gesamte Team an einem Strang ziehen, weil sie zusammen an einem höheren Ziel arbeiten.
  • zeigen klar auf, wo es nicht gut läuft.
  • Zeigen, welche Bereiche super laufen.

Mindestens einmal jährlich sollten die Ziele überprüft und überarbeitet werden. Auch ein regelmäßiger Zielabgleich ist notwendig: Was lief dieses Jahr gut? Was nicht? Zu welchen Unter- und Oberzielen hat ein einzelner Mitarbeitende beigetragen? Wo gibt es Verbesserungs- und Fortbildungsbedarf? Und zu guter Letzt: Welche Ziele setzen wir uns für das nächste Jahr, in zwei Jahren…?

Mitarbeitende, die nicht zusammen an einem Strang ziehen und nur die persönliche Motivation verfolgen, entfalten nicht ihr volles Potenzial. Mitarbeitende, die zusammen an einem Strang ziehen und jeder an seinen Unterzielen arbeitet, um gemeinsam die Oberziele zu erreichen, helfen der Organisation langfristig zu wachsen.

Habt ihr ein Zielsystem? Weiß jeder davon? Wie klar wird sich an den Zielen orientiert und eine Strategie entwickelt, um die Ziele umzusetzen? Welche Ziele habt ihr 2020 erreicht?

ANNA REPPELs Herz schlägt für Kinder. Sie hat Wirtschaftswissenschaften und Soziale Arbeit studiert und versteht es Projekte von Grund aufzubauen. Was man noch über sie wissen sollte: Sie liebt Einhörner und Äpfel.